Beim Buchen eines Campingplatzes sind die Sterne meist das erste Auswahlkriterium. Doch nur wenige Urlauber wissen, was wirklich hinter dieser Klassifizierung steckt. Wie werden die Sterne vergeben? Was unterscheidet einen 3-Sterne- von einem 4-Sterne-Platz? Gibt es wirklich 6-Sterne-Campingplätze? Hier die wichtigsten Fakten.
Wer vergibt die Sterne?
In Frankreich wird die Klassifizierung von Campingplätzen durch Atout France überwacht, die staatliche Tourismus-Entwicklungsagentur. Die eigentliche Bewertung vor Ort übernehmen unabhängige, von der Cofrac akkreditierte Prüfstellen – der Campingplatz kann seinen Prüfer also nicht selbst wählen.
Rund 200 Kriterien, Schwelle bei 95 %
Die Bewertung basiert auf etwa 200 qualitativen und quantitativen Kriterien in sechs Bereichen: Stellplatzgröße, Ausstattung, Service, Empfang, Sicherheit und Barrierefreiheit. Um eine bestimmte Sternekategorie zu erreichen, muss ein Campingplatz mindestens 95 % der maximal möglichen Punktzahl erreichen – eine hohe Hürde, die echte Qualität sicherstellt.
Freiwillige Klassifizierung, alle 5 Jahre erneuert
Die Sterne-Klassifizierung ist nicht verpflichtend. Der Betreiber beantragt sie freiwillig bei Atout France – auch für eine Höherstufung. Einmal erteilt, gilt sie fünf Jahre, danach ist eine erneute Prüfung nötig. Ein Campingplatz kann seine Sterne behalten, dazugewinnen oder verlieren, wenn die Standards nicht mehr erfüllt werden.
Hinweis: Manche Einrichtungen können nicht klassifiziert werden, etwa Naturplätze mit maximal 25 Stellplätzen, Bauernhof-Campingplätze oder ländliche Plätze mit bis zu 6 Stellplätzen.
1, 2 und 3 Sterne: die Entwicklung im Detail
Die ersten drei Klassifizierungsstufen betreffen die große Mehrheit der Campingplätze in Frankreich. Vier Themenbereiche zeigen, was sich von einer Stufe zur nächsten wirklich ändert.
Stellplatzgröße
| Kategorie | Durchschnittliche Pflichtfläche | Mindestfläche |
|---|---|---|
| 1 Stern | 80 m² | 70 m² |
| 2 Sterne | 80 m² | 70 m² |
| 3 Sterne | 89 m² | 80 m² |
Zwischen 2 und 3 Sternen kommen also durchschnittlich 9 m² dazu – genug Platz für Vordach, Tisch und Stühle, ohne den Nachbarn zu stören.
Service und Ausstattung
Ein 1-Stern-Platz bietet funktionale Sanitäranlagen und gepflegte Stellplätze; ein Stromanschluss ist hier noch nicht verpflichtend.
Ein 2-Sterne-Platz muss individuelle Sanitärkabinen statt offener Gemeinschaftsduschen bieten – eine konkrete Anforderung an die Privatsphäre für Familien.
Ein 3-Sterne-Platz geht weiter: Ein Kinderspielplatz wird Pflicht, ebenso der Verkauf von Getränken vor Ort. Ab dieser Kategorie ist auch ein Stromanschluss in Stellplatznähe vorgeschrieben, mit einer je nach Klassifizierung festgelegten Mindestampere-Zahl.
Empfang und Sprachen
- 1 Stern: keine festen Öffnungszeiten am Empfang vorgeschrieben
- 2 Sterne: tagsüber besetzter Empfang Pflicht
- 3 Sterne: 24-Stunden-Empfang in zwei Sprachen, darunter Englisch – wichtig für spät ankommende Gäste oder nächtliche Notfälle
Konnektivität und WLAN
Seit den neuen Vorgaben von April 2019 ist WLAN auf allen Stellplätzen ab der 2-Sterne-Kategorie verpflichtend – keine Option, sondern ein Klassifizierungskriterium. Ausnahmen gelten nur bei ausdrücklicher „Zero-WiFi“-Politik oder erwiesener technischer Unmöglichkeit. Ab 3 Sternen kommt zusätzlich Internetzugang in den Gemeinschaftsbereichen hinzu.
4 und 5 Sterne: der große Unterschied
Der Sprung zur 4-Sterne-Kategorie markiert einen deutlichen Bruch mit den vorherigen Stufen. Der Unterschied zwischen 4 und 5 Sternen wird oft unterschätzt, ist aber sehr real.
Gemeinsame Anforderungen ab 4 Sternen:
- Gesicherter Fahrzeugzugang am Eingang (Schranke oder Zugangskontrolle)
- Bar und/oder Restaurant sowie ein Lebensmittelgeschäft vor Ort
- Fitnessbereich mit mindestens 4 Geräten
- Empfang in zwei Fremdsprachen (inkl. Englisch), übersetzte Website und Infomaterialien
- Durchschnittliche Stellplatzgröße von 100 m² (4 Sterne)
Was einen 5-Sterne-Platz wirklich auszeichnet:
| Kriterium | 4 Sterne | 5 Sterne |
|---|---|---|
| Durchschnittliche Stellplatzgröße | 100 m² | 114 m² |
| Abgrenzung der Stellplätze | Nicht Pflicht | Hecken verpflichtend |
| Badebereich | Nicht Pflicht | Pflicht — mind. 800 m² |
| Liegen am Wasser | Nicht Pflicht | Pflicht |
| Beheizte Sanitäranlagen | Nicht Pflicht | Pflicht |
| Kinderclub mit Betreuung | Nicht Pflicht | Pflicht |
| Sprachen am Empfang | 2 Fremdsprachen | 3 Fremdsprachen (inkl. Englisch) |
| Online-Buchung | Nicht Pflicht | 24/7 verfügbar |
Ein 5-Sterne-Campingplatz muss also einen mindestens 800 m² großen Wasserbereich, blickdichte Hecken zwischen den Stellplätzen, eine betreute Kinderclub-Einrichtung und eine jederzeit mögliche Online-Buchung bieten – ein Versprechen, das eher an ein Resort erinnert als an klassisches Camping.
Gibt es wirklich 6-Sterne-Campingplätze?
Nein. Die „6-Sterne“-Kategorie existiert in der offiziellen französischen Klassifizierung nicht – das Atout-France-Raster endet bei 5 Sternen.
Der Begriff „6 Sterne“ taucht gelegentlich auf Buchungsseiten oder in Marketingmaterialien großer Ketten auf. Es handelt sich dabei ausschließlich um eine kommerzielle Bezeichnung ohne rechtliche Grundlage – verwendet, um Leistungen oberhalb der 5-Sterne-Norm zu signalisieren (Luxusunterkünfte, Concierge-Service, privates Spa etc.). Weder der Staat noch Atout France erkennen dieses Label an. Wer diese Bezeichnung sieht, sollte sie als Marketingargument verstehen, nicht als offizielle Zertifizierung.
Was Sterne garantieren – und was nicht
Die Sterne bestätigen ein Mindestniveau bei objektiven, messbaren Kriterien: Stellplatzgröße, bestimmte Ausstattung, Empfangsniveau. Eine solide Basis für den Vergleich verschiedener Plätze.
Was sie nicht messen: die Atmosphäre eines Campingplatzes, die Qualität der natürlichen Umgebung, die Herzlichkeit der Gastgeber oder die Schönheit der Landschaft. Ein gut gelegener 2-Sterne-Platz in unberührter Natur kann ein unvergesslicheres Erlebnis bieten als ein standardisierter 4-Sterne-Platz. Die Klassifizierung ist ein Auswahlwerkzeug – kein Urteil über die Qualität eines Urlaubs.